CJZ Eröffnung 2026
Buber-Rosenzweig-Medaille 2026 an Christian M. Rutishauser SJ in Köln verliehen
Festakt eröffnet Jahr der Christlich-Jüdischen Zusammenarbeit 2026 – 5786/5787
Der Jesuit und Judaistik-Professor Pater Prof. Dr. Christian M. Rutishauser SJ hat am Sonntag die Buber-Rosenzweig-Medaille 2026 entgegengenommen. Ausgezeichnet wurde er mit dem renommierten Preis für sein jahrzehntelanges Engagement für den christlich-jüdischen Dialog. Darüber hinaus ebenso für seine wissenschaftliche Arbeit sowie seinen Einsatz gegen Antisemitismus und für gesellschaftliche Verantwortung.
Pater Prof. Dr. Christian M. Rutishauser erhielt als prägende Stimme des internationalen Dialogs die Buber-Rosenzweig-Medaille. Die Auszeichnung verleiht der Deutsche Koordinierungsrat der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit (DKR) jährlich. In diesem Jahr wurde sie am Sonntag, 8. März, im Kölner Gürzenich übergeben. Der Festakt bildete zugleich den Auftakt des Jahres der Christlich-Jüdischen Zusammenarbeit 2026 – 5786/5787.
In seiner Würdigung hob der Deutsche Koordinierungsrat hervor, dass Rutishauser zu den prägenden Stimmen des internationalen Dialogs gehört. „Christian Rutishauser verbindet intellektuelle Tiefe mit geistlicher Leidenschaft. Er hält den Dialog zwischen Christentum und Judentum nicht für ein akademisches Randthema, sondern für einen Kern theologischer und gesellschaftlicher Verantwortung“, sagte der evangelische Präsident Pfarrer i.R. Friedhelm Pieper. „Als Theologe, Ordensmann und Wissenschaftler hat er vielen Menschen den Reichtum jüdischer Tradition und das bleibende Band zwischen beiden Religionen nahegebracht“, sagte Rabbiner Prof. Dr. Andreas Nachama, der jüdische Präsident. Dr. Margaretha Hackermeier, die katholische Präsidentin, ergänzte: „Rutishauser zeigt, wie aus theologischer Reflexion praktische Verantwortung erwächst. Sein Wirken ermutigt, den Dialog als gemeinsames Lernen zu verstehen – mit offenem Herzen und wachem Verstand“.
Der Preisträger betonte in seinem Vortrag die bleibende Bedeutung persönlicher Begegnung und theologischer Verständigung: „Heute stehen wir am Ende der Moderne, sind hineingetrieben in eine neue Epoche, stehen in einer Zeitenwende. Sie ist nicht mehr nur europäisch, sondern radikal global bestimmt. Doch die Fragestellung ist ähnlich: Wie gehen partikulare Identitäten und universale Werte zusammen? Das Partikulare droht sich national-identitär dem Universalen entgegenzustellen. Wieder stellt sich die Frage, was dies für das jüdische Volk bedeutet. Und leider muss man seit dem 7. Oktober feststellen, dass für viele mit dem Staat Israel die alte europäische ,Judenfrage' auf globaler Ebene zurück ist. Im Antisemitismus unserer Tage verbinden sich die naiv Gefährlichen mit den Aggressiven und glauben, eine neue Weltordnung sei gerechter, wenn es keinen Staat Israel mehr gebe. Die Aufgaben von Juden und Christen aber ist es, ,mit einer Schulter', ,Schulter an Schulter' tiefer zu verstehen.“ Der christlich-jüdische Dialog sei ein fortdauernder Lernprozess, der angesichts wachsender gesellschaftlicher Spannungen besondere Aufmerksamkeit erfordere.

Markschies: „Wir brauchen eine solche Theologie nötiger denn je“
Die Laudatio hielt der Theologe und Historiker Prof. Dr. Christoph Markschies. „Genau die richtige Theologie, die ganz konkret gegen Antisemitismus und Antijudaismus hilft. Weil aber eine solche Theologie leider nicht selbstverständlich ist und wir sie jetzt aber nötiger denn je brauchen, ist dem Koordinierungsrat zu danken, dass er Christian Rutishauser mit der Buber-Rosenzweig-Medaille für das Jahr 2026 ausgezeichnet hat und dem Ausgezeichneten von ganzem Herzen zu gratulieren“, so Markschies über den Preisträger.
Ministerpräsident Hendrik Wüst sagte in seinem Grußwort: „Christlich-jüdische Zusammenarbeit ist vor dem Hintergrund unserer Geschichte alles andere als selbstverständlich. Sie ist das Ergebnis von Aufarbeitung, Annäherung und Versöhnung – und sie bleibt eine dauerhafte Aufgabe. Dabei reicht der Dialog weit über den religiösen Austausch hinaus: Er steht für gelebte Toleranz, für Respekt und für unsere demokratischen Werte. Wo Menschen einander begegnen, entstehen neue Perspektiven, wächst Vertrauen und werden Brücken gebaut. Nordrhein-Westfalen ist ein offenes Land und Heimat für Menschen unterschiedlicher Herkunft und Religionen, genau das wollen wir auch in Zukunft bleiben. Zusammen stehen wir ein gegen Antisemitismus, gegen jede Form von Diskriminierung und gegen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit.“
Oberbürgermeister Torsten Burmester: „Keine andere Stadt nördlich der Alpen kann eine so lange Geschichte jüdischen Lebens vorweisen wie Köln. Gleichzeitig verfügen wenige deutsche Städte über so viel christliches Erbe. Unsere Stadt steht heute gleichermaßen glaubhaft für jüdisches und christliches Leben. Viele Kölnerinnen und Kölner und die vielen Engagierten in den Vereinen und Institutionen wollen den jüdischen Teil unserer Geschichte und Gegenwart noch sichtbarer machen. Mit dem neu entstehenden Museum MiQua im Archäologischen Quartier werden wir zeigen, dass Jüdinnen und Juden maßgeblich zum Aufstieg Kölns beitragen haben. Der Preisträger, Herr Professor Doktor Rutishauser, der sich so verdient gemacht hat um den jüdisch-christlichen Dialog, kann auch uns in Köln weiter inspirieren, ein gutes Miteinander zu pflegen.“
Es waren mehr als 600 Vertreter:innen aus Kommunal- und Bundespolitik, der Kirchen, von konfessionellen und zivilgesellschaftlichen Verbänden sowie viele Engagierte aus kulturellen und gesellschaftlichen Vereinen und den Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit bei der Eröffnung zu Gast. Moderiert wurde die Veranstaltung von der Journalistin Gundula Gause.
Bereits am Vortag der Preisverleihung fand ein Rahmenprogramm statt, das Raum für Austausch und Begegnung geschaffen hat – mit einem Bibelgespräch, der christlich-jüdischen Gemeinschaftsfeier und einem öffentlichen Vortrag des Preisträgers. OB Burmester hat gemeinsam mit dem DKR in das Historische Rathaus zu den Veranstaltungen eingeladen.

Jahr der Christlich-Jüdischen Zusammenarbeit 2026 – 5786/5787
Das Jahr der Christlich-Jüdischen Zusammenarbeit, ehemals „Woche der Brüderlichkeit“, wird traditionell mit der Verleihung der Buber-Rosenzweig-Medaille eingeläutet. Bundesweit laden die Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit zu Veranstaltungen, Begegnungen und Bildungsformaten ein, die das Miteinander von Jüdinnen und Juden sowie Christ:innen stärkt. Das Jahresthema ist „Schulter an Schulter miteinander“.
Der Preisträger
Professor Dr. Christian Rutishauser SJ ist ein führender katholischer Vertreter im christlich-jüdischen Dialog in der Schweiz, in Deutschland im weiteren Europa und weltweit. Er lehrt an der Universität Luzern als Professor für Judaistik.
Er war Direktor des Lassalle-Hauses in Bad Schönbrunn, Schweiz, mit Schwerpunkten in christlicher Spiritualität, jüdisch-christlichem Gespräch und interreligiösem Dialog. Er leitete zahlreiche Exerzitien- und Kontemplationskurse, lehrte als Referent für Spiritualität und erarbeitete Grundlagen für eine Theologie der Religionen. Rutishauser führte zahlreiche Studienreisen nach Israel und Palästina durch. In 2011 leitete er das Projekt „Zu Fuss nach Jerusalem, spirituell – interreligiös – friedenspolitisch“; in sieben Monaten pilgerte Rutishauser mit einer Pilgergruppe von der Schweiz bis in die „heilige Stadt“, wo sie nach Ankunft eine Friedenskonferenz durchführten.
Professor Rutishauser ist engagierter Ordensmann der Jesuiten und leitete von 2012 bis 2021 als Provinzial die Schweizer Jesuitenprovinz.
Die Buber-Rosenzweig-Medaille
Die seit 1968 verliehene Buber-Rosenzweig-Medaille erinnert an die jüdischen Religionsphilosophen Martin Buber und Franz Rosenzweig. Sie gilt als eine der bedeutendsten Auszeichnungen für Verdienste um den christlich-jüdischen Dialog in Deutschland.
Zu den bisherigen Preisträger:innen gehören unter anderem Bundeskanzlerin a.D. Angela Merkel, der Musiker Igor Levit und der Schriftsteller Navid Kermani.

(Fotos: Patricia Grähling, i.A.d. DKR)



