Buber-Rosenzweig-Medaille 2025

Streiten für Demokratie und Menschenrechte

Saba-Nur Cheema und Meron Mendel erhalten 2025 die Buber-Rosenzweig-Medaille

Am 9. März 2025 wird der Politologin, Pädagogin und Publizistin Saba-Nur Cheema und dem Historiker, Erziehungswissenschaftler und Publizisten Meron Mendel im eindrücklichen Rathaus der Hansestadt Hamburg im Rahmen der Eröffnung der „Christlich-Jüdischen Zusammenarbeit 2025 – 5785/86“ die Buber-Rosenzweig-Medaille verliehen. Die Laudatio hält Bischöfin Kirsten Fehrs, kommissarische Ratsvorsitzende der EKD und Bischöfin im Sprengel Hamburg und Lübeck der Nordkirche.


Die Preisträger:innen der Buber-Rosenzweig-Medaille 2025:
Meron Mendel und Saba-Nur Cheema. Foto: © Ali Ghandtschi

Dipl.-Pol. Saba-Nur Cheema, in Frankfurt am Main in eine aus Pakistan stammende Familie geboren, nimmt sehr genau wahr, wie Personen mit Migrationshintergrund sich immer deutlicher in der deutschen Gesellschaft zu Wort melden und wie darauf reagiert wird. Cheema hat Methoden und Projekte für die historisch-politische Bildungsarbeit entwickelt, in denen es darum geht, unterschiedliche Perspektiven auszuhalten und aufeinander beziehen zu können und zugleich Rechtsextremismus und Rassismus zu begegnen. Dabei hat sie insbesondere Antisemitismus und Islamfeindlichkeit im Fokus. Sie vertritt die These, dass der Holocaust nicht nur als Tiefpunkt der deutschen Geschichte, sondern als Teil der Menschheitsgeschichte zu bearbeiten ist.

Prof. Dr. Meron Mendel, in einem Kibbuz im Süden Israels aufgewachsen, sagt von sich, dass er dort von den Werten „soziale Gerechtigkeit, Frieden und gesellschaftlicher Zusammenhalt“ nachhaltig geprägt wurde. Dieser Hintergrund, sein Engagement im jüdisch-palästinensischen Dialog sowie sein Militärdienst in der israelischen Armee, machen Meron Mendel, der seit über zwanzig Jahren in Deutschland lebt, zu einem der wichtigsten Dialogpartner über die schwierige Situation von Israelis und Palästinenser:innen im Nahostkonflikt. Als Leiter der Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt am Main und als Universitätsdozent arbeitet Mendel an den Themen Demokratiebildung, Migrationsgesellschaft und Menschenrechte. Er ist eine markante Stimme im öffentlichen Diskurs über den Nahostkonflikt wie auch in Debatten über Antisemitismus und Rechtsextremismus. Er bezieht klare Positionen und bemüht sich um Differenzierung und Schärfung der Wahrnehmung, auch in der Debatte im demokratisch-humanistischen Lager.

Gemeinsam streiten Saba-Nur Cheema und Meron Medel öffentlich für Demokratie und Menschenrechte. Gemeinsam schreiben sie – als Muslima und als Jude – die Kolumne „muslimisch-jüdisches Abendbrot“ in der FAZ. Dazu sagt Meron Mendel: „In unseren Essays, die persönlich und politisch zugleich sind, geht es um Küchenschubladen, Kindererziehung und Kolonialismus. Um Identitätspolitik, den Nahostkonflikt, Ramadan-Beleuchtung in der Innenstadt und Weihnachtsbäume.“ Beide sind fest davon überzeugt, dass Bildung vor Hass schützt, und sie beweisen täglich, dass man auch bei verschiedener religiöser und kultureller Prägung miteinander leben und einander lieben kann. Gemeinsam versuchen sie, Polarisierungen zu überwinden; gemeinsam stehen sie für eine offene Streitkultur. Dabei werden sie als Paar auch regelmäßig gerufen, um Streit zu schlichten.

Die produktive Rolle des Streitens steht auch im Mittelpunkt des Jahresthemas des DKR:

„Füreinander Streiten“

Unter dieser Überschrift steht das vielfältige Engagement der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in 2025 bzw. 5785/86 (jüdischer Kalender).

„Hört endlich auf zu streiten!“. Den genervten Ruf ins Kinderzimmer kennen wir alle – ob aus der eigenen Kindheit oder der Elternphase. Streit ist anstrengend, am liebsten möchte man ihn ausblenden, ignorieren, irgendwie „abstellen“. Statt genau hinzuschauen, nach Ursache und Wirkung zu fragen, wollen viele einfach nur „ihre Ruhe“.

Unsere Gesellschaft ist auf Harmonie bedacht und scheint das Streiten verlernt zu haben. Dabei ist eine gesunde Streitkultur elementar für das Funktionieren von Demokratie: Standpunkte darlegen, Argumente austauschen, einen Konsens aushandeln – vielleicht mit harten Bandagen, aber immer fair.

Umso mehr gilt dies, wenn nicht gegeneinander, sondern füreinander gestritten wird. Wenn sich die eine Seite unparteiisch für die andere einsetzt, für sie kämpft – stellvertretend und unterstützend.

Denn wenn unsere eigenen Mittel und Möglichkeiten erschöpft sind, brauchen wir andere, die für uns einstehen. „Verleih’ uns Frieden gnädiglich, Herr Gott, zu unsern Zeiten. Es ist ja doch kein andrer nicht, der für uns könnte streiten.“ So betet ein altes Kirchenlied.

Streit füreinander – nicht gegeneinander: Das ist kein Zank, Zwist, Zoff. Das ist die Chance, für Schwächere einzustehen, Gerechtigkeit herzustellen und die Welt ein Stückchen besser zu machen. Tikkun Olam.

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