Stellungnahme

Völlige Verzerrung des christlich-jüdischen Dialogs und Israelfeindschaft

Bestürzt und zutiefst irritiert reagiert der Deutsche Koordinierungsrat auf die Publikation „Religionen für Gerechtigkeit in Palästina-Israel", die von Ulrich Duchrow und Hans G. Ulrich als Band 7 der Reihe "Die Reformation radikalisieren" herausgegeben wurde.

Der christlich-jüdische Dialog wird in diesem Band völlig verzerrt dargestellt. Der sich als "jüdischer Befreiungstheologe" verstehende Marc Ellis stellt in dem Band seine These von einem angeblichen "Schweigedeal" zwischen Israel und dem christlich-jüdischen Dialog vor: Israel hätte die Umkehr der westlichen Kirchen mit Blick auf den traditionellen Antijudaismus angenommen mit dem „Deal“, dass die Kirchen nun zur Politik israelischer Regierungen schweigen würden.

Mark Breverman ruft dazu auf, die "Post-Holocaust" Ära zu verlassen, da man nun in die "Post-Nakba"-Ära einzutreten hätte. Palästina-Solidarität hätte also heute den christlich-jüdischen Dialog zu ersetzen. Wir widersprechen dem hier konstruierten Mythos eines Schweigedeals als Versuch, den Dialog zwischen Juden und Christen herabzusetzen und zu verunglimpfen. Wir widersprechen dem Versuch, Solidarität mit Palästinensern und die notwendige Weiterarbeit an der christlich-jüdischen Versöhnung gegeneinander auszuspielen!

In unerträglicher Weise wird in dem Band durch den US-amerikanischen Theologen Charles Amjad-Ali die Entstehung des Staates Israel als endgültige „Endlösung“ der „Judenfrage“ beschrieben: „Während der Holocaust keinen Erfolg hatte (sic!), ist die Schaffung des Staates Israel sehr erfolgreich gewesen, aber die Opfer von alledem (sic!) sind die unschuldigen Palästinenser gewesen“.

Das ganze Buch ist zugleich ein zutiefst israelfeindliches Machwerk. So schreibt Ulrich Duchrow, Israel wäre „ein weiteres Extrembeispiel der westlichen, kolonialistischen, … rassistischen, gewalttätigen Eroberungskultur der letzten 500 Jahre“. Damit wird Israel auf die gleiche Stufe gestellt mit der gewalttätigen Eroberung Lateinamerikas mit ihren millionenfachen Opfern und mit der Entfesselung des Zweiten Weltkrieges durch die Nazi-Diktatur sowie deren millionenfachen Ermorden europäischer Juden im Holocaust. Wir finden es unfassbar, dass ein deutscher Theologe heute mit einem derartigen Feindbild über Israel an die Öffentlichkeit tritt!

Dazu gehört, dass in dem Band durchgängig für die Kampagne „Boycott, Divestment and Sanctions“ geworben wird. Die Kampagne macht Israel zum Alleinverursacher des israelisch-palästinensischen Konflikts und schiebt auch Israel allein die Verantwortung für dessen Lösung zu. Zugleich wird dann die u.a. von der Europäischen Union als Terrororganisation eingestufte „Hamas“ in dem Band als „eine seriöse Kraft mit großer sozialer Tiefe“ bewertet. Wir widersprechen auf das Schärfste diesem Versuch, Israel zum Feindbild in deutschen Kirchen aufzubauen!

Die in dem Band vertretenen Positionen widersprechen nach unserer Wahrnehmung diametral den Positionen zum christlich-jüdischen Dialog und zu Israel, wie sie von der EKD, deren Gliedkirchen und den kirchlichen Werken vertreten werden.

Daher sind wir zutiefst irritiert auch darüber, dass in der Danksagung in dem Band als Förderer der Veröffentlichung genannt werden: Ökumenischer Rat der Kirchen, Evangelische Kirche in Deutschland, Landeskirchen in Mitteldeutschland, Baden, Hannover, Hessen und Nassau, Westfalen, Brot für die Welt, Mission Eine Welt, Evangelisches Missionswerk.

Wir haben daher an die genannten Kirchenbünde, Kirchen und kirchlichen Werke geschrieben und sie um eine Stellungnahme gebeten.

Bad Nauheim, 28. Mai 2018

Präsidium des Deutschen Koordinierungsrates
der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit