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Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit
Mainz e.V.

Augustinerstraße 34
55116 Mainz

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GCJZ MAINZ: Erste Gesellschaft in Rheinland-Pfalz

Als die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Mainz 1964 gegründet wurde, war sie die erste in Rheinland-Pfalz, in der Bundesrepublik Deutschland gab es schon 36 andere Gesellschaften

Das nebenstehende Foto zeigt den Abschlußstein des gotischen Kreuzgangs in der Mainzer Kirche St. Stephan (zur Bedeutung von St. Stephan siehe auch weiter unten). Ein Siebenarmiger Leuchter in der unteren Hälfte und ein Kreuz in der oberen Hälfte des Schlusssteins der Gewölberippen verweisen auf die Verwandtschaft von Juden und Christen.


Anlass zur Gründung der Gesellschaft

Zur Gründung führte ein Anstoß von außen: Im Juni 1964 erhielt Herman Hickel, Pfarrer an der evangelischen Christuskirche, einen Hinweis auf eine für den Herbst geplante Vortragsreise des israelischen Journalisten Schalom ben Chorin. Pfarrer Hickel nahm Kontakt mit ihm auf und lud ihn nach Mainz ein. Ben Chorin antwortete prompt, sagte zu und fragte an, wer denn die Veranstaltung organisiere und trage- etwa die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Mainz? Vermutlich wurde erst durch diese Nachfrage klar, dass eine Veranstaltung mit diesem Redner eine breiter Basis brauche, um auch eine entsprechende Öffentlichkeit zu erreichen. Eine GCJZ Mainz aber gab es nicht- also wurde beschlossen, sie zu gründen.

Doch die Gründung eines eingetragenen Vereins mit allen formalen Richtigkeiten ging so rasch nicht- mit Ben Chorin war ein Termin im Oktober vereinbart worden, also bildete man auf Initiative von Pfr. Hickel ganz informell eine „Arbeitsgemeinschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit“, die die Veranstaltung für Oktober vorbereitete und zugleich ihre spätere Umwandlung in die GCJZ Mainz e.V. betrieb. Da die Arbeitsgemeinschaft als private Initiative über keine finanziellen Mittel verfügte, bereitete die Finanzierung des Abends ( ca. 950,- DM ) Schwierigkeiten. Die Stadt Mainz überließ den Saal zu einer ermäßigten Miete von 50,- DM, der Ministerpräsident gab 300,- DM; der Rest wurde wohl durch private und kirchliche Zuwendungen beglichen.

Gründungsverlauf und Erster Vorstand am 14. Dez. 1964

Nach dem großen Zuspruch zu diesem Abend wurde die Gründung der Gesellschaft zügig vorangetrieben. Am 14. Dez. 1964 trafen sich im Saal der Jüdischen Gemeinde, Forsterstr. 2, ca. 80 Personen, die die vorbereitete Satzung diskutierten und annahmen und so die Gründung vollzogen. Als Vorsitzende wurden gewählt die Herren Levy (jüdische Gemeinde), Pfr. Hickel zugleich als Geschäftsführer (evang. Kirche) Domkapitular Dr. Strasser (kath. Kirche). Weitere Vorstandsmitglieder waren: Prof. Dr. Roth ( ehemaliger Landesrabbiner; er legte den Sitz im Vorstand allerdings 1966 nieder), Rektor Haubrich, Pfr. Dr. Dr. Otto Böcher (ev.-theologische Fakultät), Pfr. Becker (kath. Stadtdekan), als Kassenführer Alfred Epstein (jüd. Gemeinde). Bereits im Januar 1965 bestätigte das Amtsgericht die Eintragung im Vereinsregister.

Entwicklung der Arbeit

Die Arbeit der Gesellschaft in den folgenden Jahren war geprägt (und ermöglicht) einerseits durch die umfassende Unterstützung durch die jüdische Gemeinde (namentlich deren Vorstand), zum anderen durch die personelle, organisatorische und räumliche Verbindung mit der evangelischen Christuskirchen-Gemeinde (Lukasbezirk). In den bewegten späten 60er und 70er Jahren fanden Vorträge und Diskussionen im großen Saal des Wolfgang-Capito.Hauses großen Zulauf; namhafte Referenten konnten gewonnen werden, z.B. Friedrich Heer, Ernst-Ludwig Ehrlich, Markus Barth, Willehad Paul Eckert u.v.a.m.
1966 war eine Gruppe junger Israelis zu Besuch. Dies damals durchaus noch schwierige Unternehmen war 1964 beim Besuch Ben Chorins von Pfr. Hickel angeregt worden.

Schwerpunkte der Arbeit

Schwerpunkte in der Arbeit waren von Beginn an einerseits das gegenseitige Kennenlernen der Gebräuche und Glaubensüberzeugungen (was unter der Schwierigkeit litt und leidet, kompetente jüdische Gesprächspartner zu finden), andrerseits die Auseinandersetzung mit Elementen judenfeindlicher Theologie und Praxis innerhalb der christlichen Kirche und deren Auswirkung bis in die Gegenwart. Neben Veranstaltungen mit überwiegend informativem Charakter folgten die unter der sachkundigen Anleitung von Prof. E.L. Rapp begonnenen und bis heute von Prof. Dr. Dr. Otto fortgeführten Erkundungen der Zeugnisse jüdischen Lebens in der näheren und weiteren Umgebung, so „Auf den Spuren jüdischen Lebens in Rheinhessen, - im Nahetal, - an der Mosel.- im Frankenland, u.a..
Die ganztägigen Exkursionen sind inzwischen fester Teil des Jahresprogramms. Mehrtägige Studienfahrten führten nach Prag, Auschwitz und Amsterdam.

Generationen und Strukturen wechseln

1977 gab Pfr. Hickel den geschäftsführenden Vorsitz ab, bedingt durch seinen Weggang aus Mainz in eine rheinhessische Landgemeinde. Ihm folgte Prof. Dr. Alfred Mertens, Dozent am Priesterseminar in Mainz. Die Veranstaltungen der Gesellschaft finden jetzt in der Regel im „Haus am Dom“ statt. Die Verwaltungsarbeit wird sehr weitgehend und effektiv getragen von Frau Ingrid Weidig (Priesterseminar). Dennoch macht sich der Verlust des festen Rückhalts im Personenkreis einer Kirchengemeinde deutlich bemerkbar.
Nach 24 Jahren im Amt schied 2001 Prof. Mertens aus dem Vorstand der Gesellschaft aus. Zu seinem Nachfolger als Geschäftsführer wurde Stud. Dir. Reinhard Goebel gewählt.

Besonderes Engagement der Gesellschaft Mainz in Israel

1974 gründete Hanni Ullmann (sie war schon 1929 von Berlin in das damalige Palestina ausgewandert) in Kiryat Gat im Süden Israels „Neve Hanna“: ein Heim für Kinder aus sozial benachteiligten und zerrütteten Familien. Heute werden dort Kinder und Jugendliche zwischen 4 und 18 Jahren betreut. Ein besonderes Projekt dient der gemeinsamen Arbeit mit jüdischen und beduinischen Kindern in einem Nachmittagshort.

Studientagungen

Seit 1990 bietet die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Mainz im Rhythmus von 11/2 - 2 Jahren Studientagungen an, die sich besonders an Lehrer/innen aller Schularten und Pfarrer/innen wenden. Es werden Themen aus der wechselvollen Geschichte zwischen Juden und Christen aufgenommen, wenn möglich unter Mitarbeit Jüdischer Referenten. Dabei wird bei der Tagungsplanung immer auch auf die praktische Umsetzbarkeit der Thematik in Unterricht und Predigt geachtet. Durch die Kooperation mit den Lehrerfortbildungsinstitutionen beider Kirchen – ILF und RPA – und durch die Mitarbeit der katholischen und evangelischen Fachberater wird die Tagung als Fortbildung für Lehrkräfte anerkannt. Die Tagungen finden an Wochenenden statt und können gute Teilnehmerzahlen verzeichnen.

Eine neue Synagoge für Mainz

Die GCJZ Mainz freut sich mit der Mainzer Jüdischen Gemeinde über deren großes Wachstum in den letzten Jahren. Sie teilt den Wunsch nach baldiger Verwirklichung des Neubaus von Synagoge und Gemeindezentrum. Die Beteiligung an der Stiftung: „Magenza – Stiftung für jüdisches Leben in Mainz“ im Dez. 2006 war daher für sie selbstverständlich. Bei den verschiedenen Veranstaltungen der Gesellschaft ist immer auch der Blick auf die konkrete Wirklichkeit der Jüdischen Gemeinde Mainz und ihre Anliegen im Bewusstsein.

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Die Stiftskirche St. Stephan mit ihren Chagall-Fenstern


In der Stiftskirche St. Stephan in Mainz
(Foto links) wird seit über 1000 Jahren für das Wohlergehen von Herrscher und Volk, für Frieden gebetet. Nach Zerstörung und Wiederaufbau nach dem 2. Weltkrieg und seit der Ausstattung der Kirche mit Glasfenstern von Marc Chagall (Foto rechts) seit dem 23. Sept. 1978 bezeichnet Monsignore Klaus Mayer diese Kirche als einen Ort der Versöhnung zwischen Deutschland und Russland, als Zeichen der Freundschaft mit Frankreich und als Ausdruck des Gemeinsamkeit von Juden
und Christen.


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