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 60 Jahre Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Düsseldorf
FESTVORTRAG von Prof. Dr. Joseph Kruse, Berlin: "Aufeinander hören - Miteinander leben", Leo-Baeck-Saal der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf, Sonntag, den 16. Oktober 2011:
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Unsere Geschichte
1933 Im August 1933 hatte die jüdische Gemeinde in Düsseldorf 5.624Mitglieder. Während des zwölfjährigen nationalsozialistischen Unrechtsregimes wurden ca. 2200 Menschen, die einmal in Düsseldorf zu Hause waren, ermordet, weil sie Juden waren. Viele konnten ins Ausland fliehen, wenige wurden von Freunden versteckt.

(Siegfried Klein, Rabbiner, geb. 1882, ermordet in Auschwitz)
1945 Nach Kriegsende gründeten einige Überlebende eine neue jüdische Gemeinde. 1948 hatte sie 300 Mitglieder. Nur wenige Düsseldorfer Juden hatten den Weg in ihre Heimatstadt zurückgefunden. Für viele war Düsseldorf nur eine Zwischenstation nach jahrelanger Verfolgung auf dem erstrebten Weg nach Palästina/Israel oder in andere Länder. Denjenigen, die vorübergehend oder auf Dauer in Düsseldorf Fuß zu fassen versuchten, war eine kleine Gruppe Düsseldorfer Bürger auf mannigfache Weise behilflich.
1951 Aus dieser "Bürgerinitiative" wurde 1951 ein eingetragener Verein, die "Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Düsseldorf", die gegenwärtig rund 600 Mitglieder zählt.
2001 Im Mai 2001 konnte die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit ihr fünfzigjähriges Jubiläum feiern und neben Gästen aus der Düsseldorfer Politik, Kultur und den Kirchen als Festrednerin die Bundestagspräsidentin a. D. Rita Süßmuth begrüßen.
Unsere Ziele
Aus der Satzung der Düsseldorfer Gesellschaft:
"Die Gesellschaft stellt sich die Aufgabe, Vorurteile und Missverständnisse zwischen Menschen verschiedener religiöser, rassischer und gesellschaftlicher Herkunft zu überwinden und zu beseitigen und will ausschließlich diesem Zweck dienen. Zur Erfüllung dieser Aufgabe führt die Gesellschaft Vorträge, Tagungen, Seminare, Studienfahrten und kulturelle Veranstaltungen durch."
Diese Ziele haben auch nach fünfzig Jahren nichts von ihrer Aktualität verloren. Antisemitismus, dumpfe Abneigung oder Gleichgültigkeit gegenüber Juden u.a. haben wie ein resistenter Virus in gesellschaftlichen Gruppierungen, in Parteien, in Kirchen, an Stammtischen und zu Hause überlebt. Und dies, obwohl viele gar keinen Kontakt zu Juden haben und sie gar nicht kennen.
Unmissverständliche Reaktionen von Politikern und der Öffentlichkeit müssen von uns immer wieder eingefordert werden. Das stärker werdende öffentliche Auftreten rechtsradikaler Gruppen und von ihnen begangene Straftaten müssen alle wachrütteln.
Bei der Gründung der Bundesrepublik Deutschland waren sich alle Parteien darüber einig, dass dieses Land aus der Vergangenheit lernen müsse. Gleichwohl wird vieles immer noch verdrängt und totgeschwiegen. Selbst einige Historiker versuchen, die millionenfache Ermordung der europäischen Juden zu relativieren. Dagegen richtet sich unsere Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit mit verschiedenen Veranstaltungen und Aktivitäten.
Unsere Arbeit
50er / 60er Jahre Nach Kriegsende wurden durch den Erzieherausschuss der Düsseldorfer Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Tagungen und Fortbildungsseminare für Lehrer und Schüler organisiert, die sich mit der jüngsten Vergangenheit, jüdischer Geschichte und dem Fortleben antisemitischer Vorurteile beschäftigten. Eine Arbeitsgruppe untersuchte über Monate Geschichtsbücher auf ihre weitere Verwendbarkeit im Unterricht.
Seit 1955 lud der Erzieherausschuss regelmäßig zu Studienreisen nach Israel ein.
60er / 70er Jahre Am Landgericht in Düsseldorf fanden große, langwierige NS-Prozesse statt, so der Treblinka-Prozess (1964/65) und der Majdanek-Prozess (1975-1981). Bei allen Prozessen ging es um Mord und Massenmord an jüdischen Menschen aus ganz Europa. Zeugen waren nötig. Diese Zeugen hatten die Lagerzeit überlebt und kamen nun, alt und gebrechlich, aus fernen Ländern. Sie waren bereit, noch einmal das ganze Grauen der Folterungen und Schikanen nachzuerleben. Es ging ihnen nicht um Rache, nicht um hohe Strafen, sondern um die Aufklärung der Verbrechen und um ein Stück Gerechtigkeit. Viele waren voller Angst, einige erlebten erneut Anfeindungen und Bosheit. Sie alle brauchten Hilfe, physisch und psychisch. Mitglieder der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Düsseldorf versuchten nach bestem Vermögen, diese Hilfe zu geben.
seit den 90er Jahren hat sich mit der Betreuung jüdischer Emigranten aus der ehemaligen Sowjetunion ein neuer Schwerpunkt unserer Arbeit entwickelt. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion machten sich viele Juden auf den Weg in eine neue Heimat. Unsere Gesellschaft versucht, diesen neuen Mitgliedern der jüdischen Gemeinde in Düsseldorf auf vielfältige Art und Weise dabei zu helfen, "Heimat zu finden in der Fremde". Wir bieten regelmäßige Sprach- und Konversationskurse an, denn der Erwerb der neuen Sprache ist wichtige Voraussetzung für eine berufliche und soziale Integration in unserer Stadt. Unsere Mitglieder versuchen, auch durch persönliche Patenschaften, den Neu-Düsseldorfern das Einleben zu erleichtern und ihnen bei den verschiedensten Anforderungen des täglichen Lebens behilflich zu sein.

(Synagoge Zietenstraße, die im September 1958 eingeweiht wurde)
Unsere Gegenwart
Von Anfang an geht es um die Zusammenarbeit zwischen Christen und Juden. Gemeinsam soll ein neues geschwisterliches Verhältnis zwischen ihnen geschaffen und das gegenseitige Verstehen gefördert werden. Durch die Beschäftigung mit der jüdischen Religion, Kultur und Geschichte sollen unter den Christen immer noch vorhandene Vorurteile beseitigt werden.
Das Bewusstsein um die gemeinsamen Wurzeln des Glaubens erleichtert die Verständigung.
Schwerpunkte unserer gegenwärtigen Arbeit sind:-- die alljährliche "Woche der Brüderlichkeit". Jahresthemen vergangener Jahre waren: "Statt Gleichgültigkeit - Mut zur Verantwortung" und "Bewährtes erhalten - sich öffnen für Neues" oder auch „Redet Wahrheit“.
-- den 9. November 1938 durch Erinnerung an die schreckliche Reichspogromnacht stärker ins öffentliche Bewusstsein zu bringen sowie die Erinnerung an den Holocaust wach zu halten. So haben wir einen Synagogenbaubogen aufgelegt, der Jugendliche anregt, die am 9.11.1938 zerstörte Synagoge auf der Kasernenstraße nachzubauen und sich mit ihrer Geschichte zu beschäftigen.

-- Staat Israel – Veranstaltungen mit den Themen: "Das Dilemma - Israels Weg zum Frieden"; "Wütende Friedfertigkeit. Die Friedensbewegung und der Staat Israel".
-- Öffnung für neue Horizonte, so im Blick auf den Trialog zwischen Christen, Juden und Muslimen und die Suche nach Gemeinsamkeiten und friedlicher Verständigung.
-- gemeinsame Aktivitäten mit der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf wie der Israeltag, der WIZO-Basar oder kulturelle Veranstaltungen so im Rahmen der Jüdischen Kulturtage
-- Aufklärung über Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus: "Strategien entwickeln gegen rechtsradikale Parolen", "Rechtsradikalismus und Gewalt - was kann ICH dagegen tun?". Wir haben unter dem Titel „Vorurteile abbauen - Mauern niederreißen. Judentum und Antisemitismus“ eine Handreichung erarbeitet, die sich vor allem an Jugendliche und Multiplikatoren wendet. Sie kann als Einzelexemplar oder für Schulklassen im Klassensatz in der Geschäftsstelle bestellt werden. Auch können Sie diese Broschüre als pdf-Datei hier herunterladen:
Judentum und Antisemitismus
-- Herausgabe vieler Publikationen gemeinsam mit der Mahn- und Gedenkstätte, die sich mit der Geschichte der Düsseldorfer Juden beschäftigen und sich besonders für die Verwendung im Unterricht eignen. Diese Veröffentlichungen erhalten Sie in der Geschäftsstelle unserer Gesellschaft:
* Die Düsseldorfer Synagoge 1904-1938. Modell zum Nachbauen mit Begleittexten
* Der zehnte November 1938. Vom Düsseldorfer Rabbiner Max Eschelbacher
* Spuren jüdischen Lebens in Düsseldorf. Ein Stadtrundgang von Hannelore Lutz und Andrea Sonnen
* Verlorene Welt. Jüdische Kindheit im Dritten Reich. Von Hannele Zürndorfer
* Der letzte Zug. Eine Familiengeschichte von Eric Eckstein
* Zwischen Abend und Morgenrot. Eine Geschichte aus dem holländischen Widerstand von Nathan Mageen
* 50 Jahre Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Düsseldorf. Eine Festschrift (diese Schrift wird bei Interesse kostenlos zugesandt) 
Unsere Zukunft
Die Situation hier in Deutschland und die Situation im Nahen Osten geben der Arbeit unserer Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit immer wieder neue Anstöße und Aktualität.
Junge und ältere Menschen stellen Fragen: zum jüdischen Volk, zu Israel, auch zur Palästinenserfrage, zum Islam und zu Nahostproblemen, zu Rechtsextremismus und Antisemitismus.
Viele Menschen haben in ihrem Leben wenig über Juden, jüdische Geschichte und Kultur erfahren. Manche erinnern sich nur an Bruchstücke aus dem Religionsunterricht, die häufig fragwürdig und tendenziös waren. Ebenso lückenhaft ist das Wissen über die deutsche Geschichte und die aktuelle Auseinandersetzung mit ihr.
Hier engagiert sich unsere Gesellschaft. Sie lädt ein zu- Vorträgen und Wochenendseminaren, auch für Schüler und Lehrergruppen,
- Exkursionen zu Stätten deutsch-jüdischer Geschichte

((Jüdischer Friedhof, Worms)
- stadtgeschichtlichen Rundgängen
- Besuchen der Synagoge
- jüdischen Festen
- Theateraufführungen und Konzerten
- Ivritkursen
- Reisen nach Israel und zu Begegnungen dort
- zur bundesweiten Eröffnung der Woche der Brüderlichkeit 2008 in Düsseldorf
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Unsere Organisation
Die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Düsseldorf ist mit z. Zt. 82 Schwestergesellschaften in ihrem Dachverband, dem "Deutschen Koordinierungsrat" mit Sitz in Bad Nauheim, zusammengeschlossen. Mitglieder, Freunde und Förderer bilden also gemeinsam eine große bundesweite "Bürgerinitiative".
Unsere Gesellschaft wird nach außen vertreten durch ihre Geschäftsführung und einen ehrenamtlich tätigen Vorstand, der sich paritätisch aus Juden, katholischen und evangelischen Christen zusammensetzt.
Der engere Vorstand besteht aus dem jüdischen Vorsitzenden Herbert Rubinstein, dem katholischen Vorsitzenden Michael Dybowski und der evangelischen Vorsitzenden Jutta Müller-Trapet.
In der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit begegnen sich junge und ältere, jüdische, christliche und andere Menschen. Aus diesen Begegnungen erwuchsen echte Freundschaften. In der Zukunft sollen neue hinzukommen. Junge Menschen sind besonders willkommen, gerne helfen wir bei der Vorbereitung von Israel-Seminaren, Jugendaustausch mit Israel, Schulprojekten etc.
Geschwisterlicher Umgang von Christen und Juden, normales und unbefangenes, vorurteilsfreies Zusammenleben von Juden und Nichtjuden - das sind die Ziele und Lernprozesse, die unsere Gesellschaft anstrebt. Jeder, welchen Glaubensbekenntnisses und welchen Alters auch immer, kann mithelfen, sie zu verwirklichen. Sie sind willkommen!
Unsere umfangreiche Festschrift zum fünfzigjährigen Jubiläum 2001 und Informationen zur Mitgliedschaft können in der Geschäftsstelle angefordert werden.
Alle Mitglieder erhalten regelmäßig unsere Rundschreiben und werden zu den Veranstaltungen eingeladen. Unser Jahresbeitrag beträgt zur Zeit 25 € für Erwachsene, 35 € für eine Doppelmitgliedschaft und 15 € für Studenten, Schüler Arbeitslose.
Unsere Kontoverbindung:
Konto-Nr. 311 83 509
Postbank Köln
BLZ 370 100 50
Beiträge und Spenden für unsere Gesellschaft sind steuerbegünstigt.
Beitrittserklärung
Sie wollen Mitglied unserer Gesellschaft werden? Hier können Sie eine Beitrittserklärung herunterladen:
Beitrittserklärung
Ansprechpartner
Geschäftsführerin Andrea Sonnen M.A.
Geschäftsstelle
Bastionstr. 6
40213 Düsseldorf
Fon. 0211 / 9 57 57 792
Fax 0211 / 9 57 57 8792
cjz-duesseldorf@evdus.de
Geschäftszeiten: Mo. - Do. 9-13 Uhr
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