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21.01.2010
Charlotte-Petersen-Saal - 19.30 Uhr
Dillenburg
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» Eisblumen damals Lesung und Gespräch mit Hanne Vollmer
Drei Religionen
am Küchentisch
Großmutter jüdisch
Mutter evangelisch
Vater katholisch
Kind gläubig
Alle liebend
ängstlich hoffend
auf Verstehen.
Hanne Vollmer, von der das obige Gedicht stammt, wurde 1930 geboren und erlebte das Dritte Reich bis zu seinem Ende von seiner lebensgefährlichen, aber auch von seiner alltäglichen bedrohlichen Seite. Sie wuchs in einem Stadtviertel in Aschaffenburg auf und erlebte die Reaktionen auf ihr von Behörden so verdächtigtes und so benanntes „jüdisches Aussehen“. Ihr nichtjüdischer Vater wurde immer wieder aufgefordert, seine Familie zu verlassen. Ihre Erfahrungen im Alltag des Dritten Reiches haben sie geprägt und ein sehr kritisches Verhältnis zu jeder Obrigkeit bewirkt.
Hanne Vollmer wird aus ihren Gedichtbänden „Schlangenhaut abgestreift“ und „Eisblumen damals“ lesen. Die Gedichte sind wie schon der Titel „Eisblumen damals“ holzschnittartig einfach, voll Anschaulichkeit und Direktheit: Sie geben von einem deutschen Leben Auskunft.
Im Anschluß an die Lesung wird Albrecht Thielmann mit Frau Vollmer ein Gespräch zu ihrer Biografie führen; einer Frau mit jüdischer Herkunft, die als Kind in Deutschland blieb. Bis weit in die sechziger Jahre wurden Erfahrungen, wie sie sie gemacht hat, in der Öffentlichkeit wenig, in ihrem Freundeskreis nicht diskutiert, auch von ihr selbst nicht. Auch dazu wird sie befragt werden.
Hanne Vollmer war verheiratet mit dem bekannten Kalligrafen Ernst Vollmer. Im Aschaffenburger Kulturleben hat sie viel gewirkt und sie ist fürsorglich und prägend für viele Kunstausstellungen tätig geworden.
Zu den Gedichten wurden Grafiken ihres Sohnes Heinz Vollmer zusammengestellt, die einen Bezug zu den Gedichten haben. Sie werden im Vortragsraum ausgestellt werden.
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