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09.05.2006
Wilhelm-von-Oranien Schule - 20.00 Uhr
Gymnasium Dillenburg
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» Diavortrag: Reise in Polen - Zu Schtetln und Lagern Wenig bekannte und (fast) vergessene Orte staatlichen deutschen Wirkens
Bericht aus der DILL-POST
Vortrag über "Schtetl und Lager" bei der Christlich-jüdischen Gesellschaft
An Orte des Schreckens erinnert
17.05.2006
Dillenburg. (red). Bundespräsident Horst Köhler wurde in der Gegend in Polen geboren, über die der Ewersbacher Journalist Friedemann G. Bierig jetzt vor Mitgliedern und Gästen der christlich-jüdischen Gesellschaft Dillenburg berichtet hat: Die "Reise in Polen - zu Schtetln und Lagern" führte zu "wenig bekannten und fast vergessenen Stätten deutschen staatlichen Wirkens" in Polen wie es in der Einladung hieß.
Gemeint waren die Vernichtungslager Chelmno nad Nerem (Kulmhof) bei Lodz, Majdanek bei Lublin sowie Sobibor und Belzec. Eindrucksstarke Dias im Medienraum der Wilhelm-von-Oranien-Schule zeigten, wie Polen mit den deutschen Hinterlassenschaften umgeht.
Ein Polen-Aufenthalt und ein Seminar bei Lublin mit Jugendlichen aus Deutschland, Polen und der Ukraine nutzte der Journalist zu Reisen in die Nähe der weißrussischen und der ukrainischen Grenze. Fünf der acht Tatorte, die er besuchte und dokumentierte, sind ebenfalls fast so vergessen wie Chelmno, nämlich die drei Umschlagplätze Izbica, Wladowo und Zamosc sowie die Vernichtungslager Sobibor und Belzec.
Im historischen Bewusstsein der Deutschen stelle die "Endlösung der Judenfrage" alle anderen während des Zweiten Weltkrieges begangenen Verbrechen in den Schatten, sagte Bierig. Dass die Nazi-Führung die Vernichtung nicht nur der Juden, sondern auch der polnischen Intelligenz beabsichtigte, sei zwar auch von deutschen Historikern exakt rekonstruiert worden, aber nicht ins allgemeine Bewusstsein gedrungen. Bierig belegte dies mit einem Hitler-Zitat: Die SS solle "unbarmherzig und mitleidlos Mann, Weib und Kind polnischer Abstammung und Sprache in den Tod schicken".Polen verlor während des Krieges rund 20 Prozent seiner Bevölkerung Sechs Jahre später hatte der polnische Staat, der zum vierten Mal geteilt worden war, 20 Prozent seiner Bevölkerung verloren, die meisten Opfer durch deutsche Einwirkung. Die polnische Regierung machte drei schreckliche Orte zu staatlichen Museen: Auschwitz mit Birkenau, das zum UN-Weltkulturerbe zählt, Lublin-Majdanek, das schon im Juli 1944 befreite KZ und Vernichtungslager, und das KZ Stutthof bei Danzig. Die Bundesregierung gab Geld für den Erhalt dieser Gedenkstätten und zeigte damit Verantwortung für die Taten und die Folgen, wie der Journalist vermerkte.
Um andere Orte des Schreckens wie beispielsweise Treblinka, Sobibor, Belzec und Chelmno kümmerte sich die Warschauer Zentralregierung wenig. Bierig: "Das hatte zur Folge, dass die bettelarmen Kommunen und Landkreise weder Historiker noch Archäologen zur Spurensicherung einsetzten, dass es beispielsweise bis 1963 noch nicht einmal ein Hinweisschild auf Belzec, geschweige denn ein Denkmal gab, das an die Ermordung von 600 000 Juden, Sinti und Roma sowie katholischen Polen von Deutschen im staatlichen Auftrag erinnerte."
Die Vernichtungslager Chelmno, Belzec, Sobibor und Treblinka sind von den Nationalsozialisten am Ende der "Aktion Reinhardt" dem Erdboden gleich gemacht worden. Von diesen Orten, in denen fast zwei Millionen Menschen, darunter auch Juden aus Hessen, ermordet wurden, sollte die Welt nichts erfahren, sagte Bierig. Doch in Sobibor gibt es dank Überlebender, deren Angehörigen und interessierten Polen eine kleine Ausstellung zum historischen Geschehen. Ein Bildungswerk aus Kassel sorgt mit für eine "Gedenkallee" im Wald.
Von den Bildern und Worten des Referenten sichtlich berührt, nutzen die Zuhörer die Gelegenheit zu Nachfragen und Kommentaren. Einer der Zuhörer stellte beispielsweise erschüttert fest, er habe zwar von Auschwitz gewusst, nicht aber von der Existenz und der Vielzahl weiterer Vernichtungsstätten, Gettos und Konzentrationslagern auf polnischem Gebiet.
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