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27.05.2006
Stadthalle Dillenburg - 20.00 Uhr
Dillenburg
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» Musik - so schön und traurig wie das richtige Leben ... Konzert mit den
Wie im wahren Leben sind in der Klezmer-Musik Freude und Trauer untrennbar miteinander verbunden. Dem Lachen folgt das Weinen und umgekehrt. Davon kann man sich überzeugen, wenn Boris Rosenthal mit seinen "Kings of Klezmer" am Samstag, 27. Mai 06, um 20.00 Uhr, auf Einladung der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Dillenburg in der Stadthalle Dillenburg auftreten.
Die Stimmung wechselt oft innerhalb nur eines Liedes. Wir hören bei Rosenthal im Stak-kato Geschichten, und die sind traurig, ironisch, glücklich, leidenschaftlich und verzwei-felt. So vielfältig und kaum greifbar wie diese Musik, so auch ihr Name. Aus dem Hebräi-schen abgeleitet, bedeutet "Klezmer" soviel wie "Übermittler von Klang", also ein Musikin-strument. Seit dem 17. Jahrhundert wird mit "Klezmer" ein Musiker bezeichnet, der in-strumentale jüdische Hochzeitsmusik spielt. Die bäuerlichen Vermählungen in Mittel- und Osteuropa verlangten nach einer Musik, die dem feierlichen Anlass angemessen, sich zugleich aber auch zum fröhlichen Tanz im Anschluss an die Zeremonie eignete. "Eine Beerdigung ohne Weinen ist wie eine Hochzeit ohne Klezmer", heißt ein altes Sprichwort.
Später waren es jüdische Emigranten, die die Volks- und Tanzmusik Ende des 19. und Anfang 20. Jahrhunderts nach Amerika brachten. Die Klezmorim reicherten ihr Repertoire mit der Musik an, die sie in der neuen Welt vorfanden: Ragtime und Dixieland. In den 30er- und 40er-Jahren entstanden die ersten Plattenaufnahmen.
Wie die Gefühlslagen, so variieren auch die musikalischen Einflüsse. "Es gibt keine Ge-setze. Alles ist erlaubt", sagt Rosenthal. Deutsche, orientalische und osteuropäische Volksmusik, Jazz, ja selbst ein Hauch Reggae tummeln sich in den lebensbejahenden Weisen. Klarinette, Geige und Gitarre fehlen dabei nur selten. "Jeder findet in der Musik etwas, das er kennt, keinem ist sie fremd", sagt Rosenthal.
Die "Kings of Klezmer", vor etwa neun Jahren gegründet, sind inzwischen nicht nur fester Bestandteil der Berliner Kulturszene, sondern auch der jiddischen Kulturszene in ganz Deutschland.
Selbstbewusst nennt sich das Duo "Kings of Klezmer". "Ich bin ja schließlich ein paar Jahre im Geschäft", sagt Rosenthal augenzwinkernd. Und das hört man und sieht man, wenn er mit seinen Musikern lacht, tanzt, weint und jubiliert: schön und traurig wie im richtigen Leben!
Karten zu 10,- Euro (erm. 7,- Euro) sind an der Abendkasse erhältlich.
[Zum Foto links: Boris Rosenthal (li.) und Igor Ginzburg (2. v.r.) von den "Kings of Klezmer" nach einem Konzert zusammen mit zwei begeisterten Fans: Bundespräsident Köhler (2.v.l.) und Ex-Innenminister Otto Schily (re.)]
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Jiddische Musik erntet stürmischen Beifall
30.05.2006, Dill-Post
(hmy/s). Ein begeisterndes Konzert der Sonderklasse haben am Samstagabend die Berliner "Kings of Klezmer" in der gut gefüllten Dillenburger Stadthalle geboten. Bereits mit dem ersten Titel - einem Nigun (Lied ohne Worte) - ließ sich das Publikum mitnehmen auf eine turbulente, temperamentvolle, interessante und genussreiche Reise durch die jiddische Musik.
Dillenburg. Die von Christoph Münz (katholischer Vorsitzender der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit) eingangs gestellte Frage, ob das Duo Boris Rosenthal und Sascha Ginzburg den Namen "Kings" (Könige) verdiene, beantworteten die gut 150 Zuhörer eindeutig: Erst nach drei Zugaben, durch stürmischen Beifall eingefordert, und der Zusage wieder zu kommen, entließen sie die Musiker.
Sascha Ginzburg (Klarinette) und Boris Rosenthal (Gitarre) sind ausgebildete Musiker, die Mitte der 90-er Jahre aus der Ukraine nach Deutschland kamen. Rosenthal, Jahrgang 1957, konnte auf eine lange Klezmer-Karriere aufbauen: Bereits als Knabe hatte das begabte Kind aus Lemberg bei jüdischen Anlässen musiziert und wurde so mit der Spielweise jüdischer Musiker und dem großen Fundus der jiddischen Musik vertraut.
Was die beiden Künstler ihrem Publikum mit augenzwinkerndem Humor zu den Stücken erklärten, war freilich nicht weniger als die Wahrheit: Die aus deutschen, slawischen, rumänischen und hebräischen Elementen verschmolzenen Klangfolgen bieten einmalige Möglichkeiten, und wie dabei aus profanen Musikgenres geschöpft wird, so auch aus den religiösen. Ginzburg und Rosenthal führten dies auf einmalige Art und Weise vor.
Neben traditionellen Klezmer-Stücken wie Nigunim und Frejlachs (Musik zum Kreistanz mit fröhlichem Charakter) nahmen die "Kings" sich freimütig sämtliche musikalischen Besitzstände des Judentums vor - von dem in den 20-er Jahren in den USA entstandenen "Bei mir bistu scheyn", über Kurt Weills "Und der Haifisch, der hat Zähne", das chassidische "Hava Nagila" (Kommt und lasst uns fröhlich sein) bis zum international bekannten "Dus Kälbele" (Donaj, donaj) von dem in dem Vernichtungslager Auschwitz umgebrachten polnischen Dichter Yitzhak Katznelson.Selbst Flamenco wird zu KlezmerSchon vor der Pause hatten die Berliner Klezmer ihre Gäste völlig in ihren Bann gezogen. Munter sang das Publikum den "Honolulu-Nigun", "Oy Joy Joy" mit und bewegte sich schwungvoll zu den Klängen von "Odessa Frejlach" auf der Tanzfläche. Auch Flamenco- und Rockelemente verarbeiteten die Virtuosen zu hinreißenden Medleys und Potpourris im typischen Klezmer-Stil. Vor Boris Rosenthal, der seine Gitarre auch gerne einmal zweckentfremdete, war selbst der altersschwache Stadthallen-Flügel nicht sicher.
Tatsächlich hat die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit mit der Wahl der Berliner einen Glücksgriff getan. Der Kontakt kam durch die in der Dillenburger Georg-Fey-Straße lebenden Eltern von Sascha Ginzburg zustande.
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